ANALOGIE ZUR AUTOHERSTELLUNG

Im Automobilbau ist die modulare Produktion Alltag. Für das firmeneigene Hotel im österreichischen Tirol wünschte sich BMW deshalb ein vergleichbares Vorgehen. Obwohl bereits vor fast zehn Jahren erbaut, gilt das so realisierte Hotelgebäude heute noch als Vorbild für hochwertige Grossmodulbauten.
Das Gebäude beherbergt 96 Hotelzimmer.
BILD: ADOLF BEREUTER, DORNBIRN

Tourismusbauten im Tirol warten meist mit einem Alpenstil auf, der Bergfeeling vermitteln soll. Nicht so das 2009 eröffnete Hotel Alpenhof Ammerwald in Reutte. Das Gebäude hat eine klare, kubische Form und wird von einer Fassade aus Chromstahlblech geprägt. Die Geschichte des Hotels reicht gut hundert Jahre zurück. Damals entstand ein erster Bau, der 1942 von BWM übernommen und als Erholungsheim genutzt wurde. Das heutige Gebäude dient hingegen als Ferien- und Seminarhotel – nicht nur für BMW-Angehörige sondern auch für externe Gäste.

Bereits im Wettbewerb war klar, dass BMW eine Bauweise möchte, die mit der Autoherstellung vergleichbar ist.

Oskar Leo Kaufmann.

 

Obwohl der neue Alpenhof bald zehn Jahre alt ist, lohnt sich ein Blick auf seine Konstruktion, handelt es sich doch um einen konsequent umgesetzten Modulbau, der Vorbild für viele weitere Projekte war – so etwa Hotels oder Spitalgebäude. Für die Bauweise entschied man sich aufgrund der hohen Qualität der im Werk komplett vorgefertigten Module, der kurzen Bauzeit und der Technologie an und für sich. «Bereits im Wettbewerb war klar, dass BMW eine Bauweise möchte, die mit der Autoherstellung vergleichbar ist», sagt Architekt Oskar Leo Kaufmann aus Dornbirn, der zusammen mit Albert Rüf das Projekt realisiert hat. Die beiden Architekten haben viel Erfahrung mit Modulbauten und durften ihre Arbeit schon im Museum of Modern Art in New York präsentieren.

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Grundriss EG.
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Grundriss 1. OG.

Für den Alpenhof schlugen Kaufmann und Rüf einen L-förmigen Bau vor. Der zweigeschossige Sockel besteht aus Sichtbeton, darüber befinden sich auf dem längeren Schenkel des L drei Stockwerke mit 96 Hotelzimmern. Jedes besteht aus einem Holzmodul mit 4,5 Metern Breite, 5,5 Metern Länge und 3 Metern Höhe. Für die Herstellung wurde in der Zimmerei – analog zur Autoproduktion – eine Fertigungsstrasse eingerichtet. Jedes Modul besteht aus grossformatigen Brettsperrholzplatten. Diese wurden mit CNC-gesteuerten Maschinen bis hin zu den Bohrungen für die Kleiderhaken vorkonfektioniert, zusammengebaut und komplett ausgestattet. Die Holzoberflächen im Innern sind sichtbar. Sie verleihen den Zimmern einen warmen, heimeligen Charakter, wirken aber gleichzeitig schlicht und zeitgemäss.

Pro Tag wurden drei Module produziert. Diese gelangten jeweils paarweise auf Lastwagen auf die gut hundert Kilometer entfernte Baustelle. Dort wurden sie ähnlich wie Container gestapelt und an fixen Punkten miteinander verbunden. Sylomerlager und -verbindungsteile, die man aus dem U-Bahnbau kennt, verhindern dabei Schallübertragungen. Nach dem Versetzen der Module wurden vor Ort nur noch das Dach und die Fassadenverkleidung montiert.

Ein klassischer Holzelemtbau war nie ein Thema.

BILDER: ADOLF BEREUTER, DORNBIRN
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