«SO WIE WIR: BRACHIAL, PRIMITIV, SIMPEL.»

Lange war die Grosse Schanze direkt hinter dem Bahnhof Bern einfach ein etwas zu grosser, zu leerer Platz und gerade in der Nacht düster und verlassen – mit entsprechenden Sicherheitsproblemen. Deshalb initiierten die Stadtbehörden die Belebung der Terrasse. 
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Schaffung einer neuen belebaren Terrasse.

Diese Aufgabe übernimmt seit 2017 «Peter Flamingo»: Der zu einer Pop-up Bar umgebaute Schiffscontainer steht im Sommer jeweils für drei Monate auf der Grossen Schanze und sorgt mit trendigen Drinks und kulturellen Events für Betrieb. Im Winter zieht der Container weiter ins Berner Ringgenpärkli bei der Kornhausbrücke. Dort heisst Peter Flamingo dann «Oscar Elch» und ausgeschenkt werden unter anderem heisse, nordische Getränke. Der 32-jährige Camil Schmid ist einer der Betreiber dieser Container-Bars.

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"Peter Flamingo" auf der Grossen Schanze im Sommer.
BILDER: CAMIL SCHMID
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"Oscar Elch" auf dem Ringgenpärkli im Winter.

Aber auch der Charme des Schiffcontainers hat es uns angetan.

CAMIL SCHMID

 

Der zu einer Pop-up Bar umgebaute Schiffscontainer "Peter Flamingo".
BILDER: CAMIL SCHMID

Herr Schmid, auf der Webseite von «Peter Flamingo» ist zu lesen: «Drei Monate. Dann ist Schluss. Gerade im Endlichen steckt eine unwiderstehliche Lebendigkeit.» Haben Sie den Schiffscontainer als Bar auserwählt, weil er genau dieses Gefühl vermittelt?

Camil Schmid : Auch. In Kombination mit den Ölfässern als Stehtische und unseren Europaletten-Möbeln kommt das Temporäre damit bestens zur Geltung. Aber auch der Charme des Schiffcontainers hat es uns angetan: dieses Metallische, Industrielle – wir haben deshalb auch sämtliche Beschriftungen oder unschönen Schweissnähte in ihrem ursprünglichen Zustand belassen.

 

Ihren Worten kann man entnehmen, dass der spezielle Charme aber nicht der Hauptgrund für die Wahl eines Containers war?

CS: Richtig: An erster Stelle standen für uns die Sicherheit und die Mobilität. Sicherheit deshalb, weil wir etwas Abschliessbares brauchten, da die Bar nachts nicht bewacht ist. Und Mobilität war uns wichtig, da wir so den Container problemlos in unserem Lager vorbereiten konnten, weil er schnell auf- und abbaubar ist und wir ihn flexibel positionieren können. Ausserdem war es auch von den Kosten her eine günstige Sache: Occasions-Container, Lieferung und Ausbau haben uns nur rund 8000 Franken gekostet.

Was wurde am Container alles gemacht?

CS: Vom «OK» aller Beteiligten bis zur Eröffnung hatten wir genau drei Wochen Zeit. Nur schon deshalb hielten wir es simpel: Loch in Containerwand rausschneiden, Klapptür reinschweissen, Installation von Stromanschlüssen, Bartresen und Spülbecken inklusive Wasseranschluss – wegen der Hygienevorschriften.

 

Eine Isolation war nicht nötig?

CS: Oh doch, unbedingt. Zündet die Sonne auf den Container, dann «brätscht» das sonst enorm. Innen haben wir die Isolation hinter Spanplatten angebracht und aussen haben wir mit Balken und Schaltafeln ein begehbares Dach inklusive Begrünung als Beschattung gebaut.

Vom «OK» aller Beteiligten bis zur Eröffnung hatten wir genau drei Wochen Zeit.

CAMIL SCHMID

 

Von der Isolation profitieren Sie nun auch im Winter. Dann geht der Container auf eine rund 700 Meter lange Reise zum Ringgenpärkli, wo er für zwei Monate als Bar «Oscar Elch» steht. Da zeigt sich der Vorteil eines Containers klar.

CS: Aber nur, wenn man diesen so ausbaut wie wir: brachial, primitiv, simpel. Dies gibt uns die Möglichkeit den Container in kürzester Zeit kostengünstig umzugestalten und auf das Winterangebot anzupassen.

 

Und wird Ihr Schiffscontainer – seinem Ursprungszweck entsprechend – in Zukunft noch weitere Reisen antreten dürfen?

CS: Solche Pläne existieren tatsächlich, sie sind aber noch nicht spruchreif. Ein Container, der hauptsächlich im Lager steht, macht ja wenig Sinn. Gerade wegen seiner Modularität und Mobilität: Sobald Du einen Standplatz gefunden hast, nimmst Du einen Lastwagen, den Container und innerhalb eines Tages ist er einsatzbereit. Vor unserem Experiment mit «Peter Flamingo» war mir gar nicht klar, was für ein cooles und lustiges Objekt so ein Schiffscontainer ist.

Im Winter zieht der Container weiter ins Berner Ringgenpärkli bei der Kornhausbrücke.
BILDER: CAMIL SCHMID

ÜBER DIE MACHER

Camil Schmid P1_1
BILD: MOSAIK EVENT

Camil Schmid (32) ist Unternehmer und unter anderem Gründer, Teilhaber sowie Geschäftsführer der Berner Event-Agentur «Mosaik». Zusammen mit Dominic Kummer und Claudio Maestretti entwickelte und betreibt er die beiden Pop-up Bars «Peter Flamingo» und «Oscar Elch» in Bern.

 

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