CONTAINER ALS TEMPORÄRE BAUWERKE ?

Architekten setzen ausgediente Schiffscontainer gerne als temporäre Bauten ein. Je nach Nutzung und Dauer eignen sie sich aber nur bedingt. Vereint man die Grundidee des Containers aber mit zeitgemässen Bauweisen, entstehen hochwertige, temporäre Lösungen.
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Asylwohnheim in Winterthur: Stapelbarkeit, einfache Transport und repetitive Herstellung.
BILD: IN SITU / PETER BARACCHI

Schiffscontainer haben einen eigenen Charme: Ihre verbeulte und angerostete Optik versprüht einen Hauch Fernweh und Abenteuer. Zugleich sind die gebrauchten Container preisgünstig in der Anschaffung und einfach zu transportieren – dadurch eignen sie sich auf den ersten Blick perfekt als Basis für temporäre Bauten. Vor allem den Küsten entlang, aber auch in Berlin, Zürich oder gar in Wil SG finden sich Beispiele dafür: Studentenappartements, Kleinwohnungen, Eventlokale, Imbissbuden, trendige Läden oder Ausstellungslokale – es gibt kaum eine Nutzung, die nicht schon in einem ausgedienten Schiffscontainer untergebracht worden wäre.

Es gibt kaum eine Nutzung, die nicht schon in einem ausgedienten Schiffscontainer untergebracht worden wäre.

Ob die stählernen Transportkisten in jedem Fall die richtige Lösung sind, muss aber kritisch hinterfragt werden. «Durch sein Format und die nicht isolierte, stählerne Hülle bringt ein Schiffscontainer viele Einschränkungen mit sich und eignet sich deshalb längst nicht für alle Nutzungen», sagt Barbara Buser, Mitinhaberin des Architekturbüros in situ in Basel. Sie hat viel Erfahrung mit temporären Bauten, darunter auch solchen aus Schiffscontainern.

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Schiffscontainern auf dem Weg zu ihren neuen Nutzungen.
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Ein Beispiel für die Grenzen des Transportbehälters: Seine äussere Breite beträgt knapp 2,44 Meter. Muss er innen isoliert werden, bleiben davon noch knapp zwei Meter übrig. Daraus eine Wohnung zu machen, die den Anforderungen an Wärmedämmung und Komfort genügt, ist aufwendig: «Damit keine Bauschäden, etwa durch Kondenswasserbildung, entstehen, muss mit hoher Präzision gearbeitet werden», sagt Roger Edelmann vom Architekturbüro Arson in Wil SG. Er hat 2014 zwei gebrauchte Container zu einer Kleinwohnung umgebaut. So musste Edelmann an heiklen Stellen beispielsweise auf Dämmstoffe aus der Weltraumtechnik zurückgreifen, um Schäden vorzubeugen. Ein Aufwand, der im Gegensatz zur Einfachheit des Containers steht. Ähnliche Einschränkungen zeigen sich auch bei genormten Wohn- und Bürocontainern. Auch hier ist die räumliche Enge ein Thema, und die meist rein zweckorientierte Gestaltung bietet wenig Aufenthaltsqualität.

Zu seinen Vorteilen gehören etwa die Stapelbarkeit, der einfache Transport oder die repetitive Herstellung

Barbara Buser.

 

Lernen vom Container

Für Architektin Barbara Buser stellt sich bei der Nutzung von Normcontainern als Gebäude neben dem aufwendigen Umbau noch eine grundsätzlichere Frage: Was ist temporär? Der Standort? Die Nutzung des Containers? Oder beides? Wenn der Standort temporär sei, so Buser, könne ein Container durchaus passen, da er sich relativ einfach an einen anderen Ort transportieren lasse. Ist nur die Nutzung temporär, verbleibt das Gebäude danach aber am Ort, kann gemäss Buser auch ein fester Bau eine Option sein: «Wird dieser geschickt geplant, bietet er sehr viel Nutzungsflexibilität.» Werden die Räume hingegen über lange Zeit genutzt, wechseln aber zwischendurch unter Umständen den Standort, müssten sie weitergehenden Anforderungen bezüglich Optik und Aufenthaltsqualität genügen, sagt Buser. Trotzdem könne man vom Grundprinzip des Containers viel lernen: «Zu seinen Vorteilen gehören etwa die Stapelbarkeit, der einfache Transport oder die repetitive Herstellung.»

Buser hat diese Grundprinzipien etwa auf die von in situ für Kleingewerbler oder Asylsuchende geschaffenen temporären Gebäude übertragen. Beispiele dafür sind die Siedlungen für Asylsuchende in Zürich und Winterthur oder die Gewerberäume im «Basislager» in Zürich. Diese Modulbauten in Stahl wurden spezifisch für einen längerfristigen Einsatz geplant und gebaut. Die einzelnen Einheiten erinnern optisch zwar an Container, weichen aber in entscheidenden Details von ihnen ab. Basis bildet wie beim Schiffscontainer ein Stahlgestell. Mit drei Metern Breite bietet das einzelne Modul aber mehr Raum und Komfort. Zudem sind die Aussenwände gemäss den aktuellen Vorschriften gedämmt. Durch ihre äussere Beplanung mit Blech nehmen sie hingegen die Optik des Schiffscontainers auf. Und im Gegensatz zum klassischen Container können mehrere Einheiten zu grösseren Räumen kombiniert werden. Trotzdem lassen sie sich stapeln und problemlos an einen neuen Einsatzort transportieren.

 

Siedlung Roessliwiese in Gossau. (Nr 1-6) Siedlung für Asylsuchende in Zürich. (Nr 7) Siedlung für Asylsuchende in Winterthur. (Nr 7-11)
BILDER: IN SITU / MARTIN ZELLER UND PETER BARACCHI
Gewerberäume im "Basislager" in Zürich: Diese Modulbauten in Stahl wurden spezifisch für einen längerfristigen Einsatz geplant und gebaut.

Ist der Einsatzzweck eines Modulbaus noch langfristiger ausgelegt, lohnt es sich einen Schritt weiterzugehen: Werden die Grundprinzipien des Containers beispielsweise mit der hochwertigen Bauweise von Holzmodulbauten kombiniert, entstehen mobile Bauten mit einem hohen Standard. Ein Beispiel dafür sind die modernen Schulmodulbauten, wie sie beispielsweise von Bauart Architekten für die Stadt Zürich entwickelt wurden. Auch sie lassen sich jederzeit demontieren und an einen neuen Einsatzort transportieren. Gleichzeitig bieten sie mit ihrer sehr guten Dämmung, den grossen Fenstern und dem hochwertigen Innenausbau einen Nutzerkomfort, der dem eines regulären Schulgebäudes nahe kommt.

Ist der Einsatzzweck eines Modulbaus noch langfristiger ausgelegt, lohnt es sich einen Schritt weiterzugehen: Werden die Grundprinzipien des Containers beispielsweise mit der hochwertigen Bauweise von Holzmodulbauten kombiniert, entstehen mobile Bauten mit einem hohen Standard.

Zueri_Modular
Züri-Modular "2. Generation": bis heute sind in Zürich ca. 60 Pavillons und über 1000 Module realisiert worden. Bis 2025 sollen weitere 30 Pavillons hinzukommen.
BILD: RASMUS NORLANDER

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