DER KANTONSSCHUL-BAUKASTEN

Zürichs erste neue Kantonsschule seit vierzig Jahren ist ein Holzmodulbau. Das Projekt in Uetikon am See wurde in Rekordzeit realisiert und bietet Platz für 500 Schülerinnen und Schüler.
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BILD: Hochbauamt Kanton ZH und ETH Zürich/BUK.

Noch ist es in der neuen Kantonsschule in Uetikon am See ruhig. Nur gerade vier Klassen mit zusammen rund hundert Schülern werden aktuell unterrichtet. In gut drei Jahren sind es dann 500. Die Geschichte des Neubaus ist spannend: Angesichts der steigenden Zahl der Gymnasiastinnen (siehe hier), standen die Verantwortlichen 2015 vor der Herausforderung, innert dreier Jahre eine neue Kantonsschule bauen zu müssen – ohne über ein passendes Grundstück zu verfügen. Deshalb beauftragte das Hochbauamt des Kantons Zürich die Arbeitsgemeinschaft B.E.R.G. Architekten GmbH / Schlatter Bauleitungen aus Zürich mit der Entwicklung eines Raummodulkatalogs und der Erstellung einer funktionalen Ausschreibung. Damit – so die Idee – könnte rasch eine Generalunternehmung gefunden werden, um dann innert kurzer Zeit an einem beliebigen Standort ein individuelles Provisorium zu realisieren. «Wir haben deshalb einen Baukasten entwickelt, mit dem man auf unterschiedlichste Parzellen reagieren kann», sagt Architekt Volker Lubnow. Mit Blumer-Lehmann habe man für dieses Vorhaben einen guten Partner mit sehr viel Erfahrung im Holzmodulbau gefunden.

Erst 2016 wählte der Kanton ein Areal im Zentrum von Uetikon am See als Standort aus. Innert Rekordzeit konnte das Grundstück umgezont, der Baukredit in der Höhe von 18,2 Millionen Franken bewilligt und das Baugesuchsverfahren abgewickelt werden. Dazu holte die Arbeitsgemeinschaft das Baubüro in situ mit an Bord. Im Oktober 2017 fuhren die Bagger auf, und parallel dazu starteten bei Blumer- Lehmann in Gossau SG die Arbeiten an den 180 Holzmodulen. Bereits im März 2018 konnte die Aufrichte gefeiert werden, und am 20. August 2018 startete der Schulbetrieb.

Die Lage des Modulbaus ist äusserst attraktiv: mitten im Ort, in direkter Nähe zu den Schulanlagen der Gemeinde. Die Räume verteilen sich auf zwei dreistöckige Gebäudekörper, die gegeneinander versetzt und in einem spitzen Winkel zueinander angeordnet sind. So fassen sie gleich auch den im Süden gelegenen Pausenplatz. Eine Passerelle aus Holz mit zwei Terrassen verbindet die beiden Gebäudeteile. Im Inneren sind die Bauten einfach strukturiert: Ein mittiger Korridor pro Stockwerk führt zu allen Räumen, ein Treppenhaus pro Gebäude und ein Lift sorgen für die vertikale Erschliessung. Das Raumprogramm umfasst 20 Regelschulzimmer, 23 Spezialzimmer sowie Räume für Schüler und Lehrer. Basis für beide Gebäude bilden Module mit 3,20 Metern Breite, 3,55 Metern Höhe und 7,95 oder 10,65 Metern Länge – die längeren umfassen jeweils auch einen Korridoranteil. Drei Module bilden zusammen ein Schulzimmer, alle anderen Räume fügen sich ebenfalls ins 3,2-Meter-Raster ein. Die Gestaltung ist schlicht, aber wertig und kommt gut an: «Sowohl den Lehrpersonen als auch den Schülerinnen und Schülern gefällt das Schulhaus sehr gut», sagt Direktor Martin Zimmermann. Man fühle sich überhaupt nicht wie in einem auf Zeit gebauten Gebäude, sondern in einem vollwertigen Schulhaus. Ihm fehlen einzig Stauräume: «Da ein Keller fehlt, ist der Platz für solche Flächen sehr knapp.» Rund zehn Jahre soll die Kantonsschule stehen bleiben, bis dann – so die Planung – erstellt der Kanton auf dem Areal der ehemaligen Chemiefabrik unten am See ein neues Kantonsschulgebäude. Wohin der Modulbau danach versetzt wird, ist noch nicht klar. Geplant ist eine Weiterverwendung an einem anderen Standort – etwa während eine bestehende Kantonsschule saniert wird.

Die Planungsarbeiten begannen, bevor überhaupt ein Grundstück ausgewählt worden war.

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Wir fühlen uns überhaupt nicht wie in einem Provisorium, sondern wie in einem vollwertigen Schulhaus.

Martin Zimmermann, Direktor.

 

Situationsplan | Grundrisse EG, 1-2. OG | Schnitte.
BILDER: Hochbauamt Kanton ZH und ETH Zürich/BUK.

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