DIE GESCHICHTE EINES MODULHAUSES

Gerhard Zemp, ausgebildeter Gartenbauingenieur und Architekt, heute als Geschäftsführer eines Planungsbüros für Gebäudebegrünungen tätig, ist ein origineller Kopf – und ein erklärter Fan modularer Wohnträume im Grünen.
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Gerhard Zemp geniesst den Blick ins Naturschutzgebiet.
BILD: GERHARD ZEMP (ZVG) 

«In meinem Leben habe ich ja schon die verschiedensten Wohnformen ausprobiert – vom alten Bauernhaus über ein Reihenhaus bis hin zu einer trendigen Wohnung in Zürich West», erklärt Gerhard Zemp. «Etwas Eigenes zu bauen, stand für mich allerdings nie zur Diskussion – in erster Linie aus Kostengründen, aber irgendwie auch aus weltanschaulichen.» Gleichwohl träumte Innenraumbegrüner Zemp schon seit längerem von einem schönen Kubus mit viel Glas inmitten einer grünen Landschaft. Weil es sein Traumhaus zur Miete schlicht nicht gab, verlor die Idee vom Bau eines eigenen Heims aber immer mehr von seinem bürgerlichen Schrecken. Und so machte sich Zemp zusammen mit seinem Partner auf, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man ohne Geld zu günstigem und guten Wohnen kommen kann. Nachdem sie alle ihre Ansprüche zusammengestellt hatten, suchten sie in einem genau definierten Umkreis eine überbaubare Parzelle Land, die ihnen entsprach. «Fündig wurden wir in einem ruhigen Talkessel bei Biberstein im Kanton Aarau – das Bauland war da nicht nur bezahlbar, sondern die Umgebung auch herrlich grün. Sogar einen alten Baumbestand fanden wir vor.»

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Plan den Parzellen.
BILD: GERHARD ZEMP (ZVG) 
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Die Lösung liegt in einem Modulhaus

Doch welches Haus sollten sie in die herrliche Landschaft stellen? Mit den üblichen Bautechniken liess sich ein modernes Eigenheim nicht für unter 800’000 Franken verwirklichen. Alles kam gut, als Zemp im Dezember 2003 auf ein Inserat des deutschen Fertighausanbieters Weberhaus stiess, welches ein neuartiges Optionshaus anpries. Dabei handelte es sich um einen 10,36 Meter langen, 4,13 Meter breiten und 5,99 Meter hohen, zweistöckigen und vollumfänglich funktionstauglichen Wohn-Kubus mit je zwei grossen Fenstereinheiten pro Etage. Das ansprechend gestaltete Minihaus, entworfen von Bauart Architekten und Planern und produziert durch Weberhaus, war komplett in Holz vorgefertigt und bot eine Wohnfläche von 72 Quadratmetern. Das Konzept sah zudem vor, dass praktisch beliebig viele Hauselemente ohne grössere Zusatzkosten miteinander verbunden werden konnten. «Klar, dass dieses Haus sofort unseren kreativen und planerischen Spürsinn weckte!», erzählt Zemp. «So machte ich mich also umgehend daran, in alter Schulkartonage-Manier kleine Modellhäuschen zu basteln, die ich auf verschiedenste Arten und Weisen in die massstabsgetreu nachgeformte Landschaft des 3'000 m2 grossen Baugrundstücks setzte.»

In meinem Leben habe ich ja schon die verschiedensten Wohnformen ausprobiert – vom alten Bauernhaus über ein Reihenhaus bis hin zu einer trendigen Wohnung in Zürich West

Gerhard Zemp.

 

Der gemeinsame kleine Garten mit Terrasse ist beliebter Familientreffpunkt.
BILD: GERHARD ZEMP (ZVG) 

Ein Traum wird Realität

«Um die Grundstückskosten möglichst niedrig zu halten, versuchten wir, Partner für ein gemeinsames Projekt mit zweimal zwei Wohnkuben in einem grossen gemeinsamen Garten zu gewinnen – was uns zum Glück auch schnell gelang.» Wenige Wochen später war der Kaufvertrag unter Dach und Fach. Gemäss Weberhaus hätte der Traum eigentlich bereits drei bis vier Monate später Realität sein müssen. Doch kam die erste konkrete Bestellung für die Deutschen offensichtlich etwas gar schnell – die verschiedenen Abläufe waren noch nicht bis ins letzte Detail fertig ausgereift. Im Oktober 2004 ging es dann aber Schlag auf Schlag. Für das Aufstellen der Wohnelemente, die mit Lastwagen von Deutschland herangeführt wurden, brauchten die Bautrupps pro Kubus gerade mal einen Tag. Danach folgten nach einem ausgeklügelten Terminplan eingespielte Equipen von Zimmerleuten und Dachdeckern, Elektrikern, Malern, Sanitärleuten, Schreinern sowie Bodenlegern. Zemp zeigt sich noch heute beeindruckt von der Arbeit, die in jener Zeit geleistet wurde: «Auch wenn es den Handwerkern damals noch etwas an Erfahrung mit diesem besonderen Haustyp fehlte – die Nachbetreuung war absolut super!»

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Besonders raumsparend: das Bad und Küche.
BILD: GERHARD ZEMP (ZVG) 
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«Jederzeit wieder ein Modulhaus!»

Heute lebt Gerhard Zemp nicht mehr in Biberstein. «Den Entscheid für diese Art des Bauens haben mein Partner und ich nie bereut –im Gegenteil! Uns hat an unserem Modulhaus vieles sehr gefallen – vom sehr offenen Wohnen ohne verlorene Räume über die grossen Fenster und das Spiel mit dem Aussenraum bis hin zum japanischen Garten, den wir angelegt haben. Etwas Mühe hatten wir einzig mit der Tatsache, dass wir viele Entscheide bezüglich des Innenausbaus bereits Monate vor der Fertigstellung definitiv treffen mussten. So war es für uns geradezu ein Vorteil, dass wenigstens die Hülle fix vorgegeben war.» Für den Ex-Modulhausbesitzer Zemp war das Minihaus definitiv mehr als nur eine preiswerte Form des Bauens: «Mich fasziniert die Idee, dass ein solches Haus nicht für die Ewigkeit gebaut ist, bis heute. So konnten wir es uns immer vorstellen, die beiden Baukuben irgendwann auf Ebay dem Meistbietenden abzugeben – mit der Auflage «Muss vom Käufer abgeholt werden». Oder unser Haus ganz einfach an einen Super Puma anzuhängen und an einen neuen schönen Ort mitzunehmen.»

Das ansprechend gestaltete Minihaus, entworfen von Bauart Architekten und Planern und produziert durch Weberhaus, war komplett in Holz vorgefertigt und bot eine Wohnfläche von 72 Quadratmetern.

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Die kleine Smallhouse-Siedlung in Biberstein gebaut im Jahr 2004.
BILD: GERHARD ZEMP (ZVG) 

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