DIE WAADTLÄNDER KANTONSVERWALTUNG WÄCHST IN DIE HÖHE

Die Aufstockung eines Verwaltungsgebäudes an der Rue de l’Université 5 in Lausanne ist das Ergebnis einer beispielhaften Partnerschaft zwischen der ETH Lausanne und dem Kanton Waadt. Die Aufstockung des Gebäudes, die ganz aus Holz und Glas bestehen wird, werden rund 40 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, die nach Belieben unterteilbar sein werden. Die Bauarbeiten werden nur etwa vier Monate dauern.
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Visualisierung des Innenraums der Aufstockung des Gebäudes Uni 5 in Lausanne.
Dokument: EPFL / LAST
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Axonometrie der Tragstruktur des Systems Working Space.
Dokument: EPFL / LAST
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Axonometrie der Hülle des Systems Working Space.
Dokument: EPFL / LAST
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Detail Konstruktionsprinzip.
Dokument: EPFL / LAST

Die städtebauliche Verdichtung ist mit grossen Herausforderungen verbunden, sowohl beim Wohnungsbau als auch bei der Planung und Errichtung von Verwaltungs- und Schulgebäuden. Während die Waadtländer Kantonsverwaltung bei der Erweiterung ihres Immobilienbestands möglichst rationell vorgehen muss, arbeitet die ETH Lausanne an innovativen Lösungen im Bereich der städtebaulichen Entwicklung. Manchmal kommt es vor, dass diese beiden Welten aufeinandertreffen und sich daraus ein absolut bemerkenswertes Projekt und Bauwerk ergibt, wie dies bei dieser Aufstockung eines Verwaltungsgebäudes in Lausanne der Fall ist.

 

Ein modularer Denkansatz für mehrere Anwendungen

Das Forschungsprojekt WORKING SPACE wurde im Laboratoire d’architecture et technologies durables (LAST, Labor für nachhaltige Architektur und Technologien) entwickelt, das von Professor Emmanuel Rey geleitet wird. Dieses Projekt gehört zu einem der Forschungsbereiche, die sich mit der Entwicklung modularer Denkansätze im Bauwesen befassen. Dabei geht es darum, Innovationen auf der Grundlage von Bauelementen zu entwickeln, damit gewisse Herausforderungen bei der städtebaulichen Verdichtung effizient und nachhaltig bewältigt werden können. «Im Rahmen des Projekts WORKING SPACE versuchen wir, Lösungen für die Aufstockung von Dienstleistungsgebäuden zu entwickeln. Denn die Aufstockung eines Gebäudes ist ein gutes Mittel, um im Zusammenhang mit einem bestehenden Bauwerk eine bauliche Verdichtung zu erreichen, insbesondere in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln», erklärt Emmanuel Rey. Damit das modulare System seine volle Wirkung entfalten kann, muss es so entwickelt werden, dass es problemlos auf eine Vielzahl von Verwaltungsgebäuden oder auch Schulbauten angepasst werden kann. Das Modulsystem muss somit für unterschiedliche Aufstockungsprojekte verwendet werden können, die abhängig von den vielfältigen und sich entwickelnden Bedürfnissen der Benutzerinnen und Benutzer flexible und variable Typologien aufweisen.

Im Rahmen des Projekts WORKING SPACE versuchen wir, Lösungen für die Aufstockung von Dienstleistungsgebäuden zu entwickeln. Denn die Aufstockung eines Gebäudes ist ein gutes Mittel, um im Zusammenhang mit einem bestehenden Bauwerk eine bauliche Verdichtung zu erreichen, insbesondere in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln

Emmanuel Rey.

 

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Visualisierung des Projekts der Aufstockung des Gebäudes Uni 5 in Lausanne.
Dokument: EPFL / LAST

Aufstockung des Gebäudes an der Rue de l’Université 5

Der Service immeubles, patrimoine et logistique (SIPaL, Amt für Immobilien, kulturelles Erbe und Logistik) des Kantons Waadt benötigt mehr Bürofläche für seine Angestellten. Deshalb erteilte das Amt dem Team des LAST den Auftrag, die folgenden Kriterien und Vorgaben in Einklang zu bringen: Aufstockung des bestehenden Gebäudes, hohe ökologische Standards, knappes Budget und rasche Umsetzung mit einem minimalen logistischen Aufwand und möglichst geringen Beeinträchtigungen für die im Gebäude tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die geeignete Lösung, die in ihren groben Zügen im Rahmen der Forschungsarbeiten des LAST bereits entwickelt worden war, hat sich rasch durchgesetzt: eine Leichtbaukonstruktion mit einer Holzstruktur, die aus vorgefertigten Elementen besteht. Die Originalität dieses Lösungsvorschlags besteht sowohl im Fussboden in Form von Holzkassettenplatten, die auf der bestehenden Bedachung verlegt werden und dank denen das Gewicht auf den bestehenden Trägern und auf Zwischenträgern verteilt werden kann, sowie in der Grösse der vorgefertigten Elemente. Bei der Aufstockung des Verwaltungsgebäudes an der Place de la Riponne kam ein Gerüst von 2.40 m zum Einsatz.

Grosse Flexibilität bei der räumlichen Anordnung

Die künftigen Benutzerinnen und Benutzer des neuen Stockwerks können ihre Arbeitsbereiche sehr flexibel einrichten. Das zentrale Element des tragenden Holzgerüsts folgt der gleichen Struktur wie die Fassade. Deshalb bestehen in Bezug auf die räumliche Anordnung keine Hindernisse, womit Grossraumbüros (Open Spaces) oder abgetrennte Büros sowie Sitzungszimmer oder Einzelbüros eingerichtet werden können. Mit dem Hinzufügen oder Entfernen von nichttragenden Zwischenwänden lassen sich die Arbeitsräume auf die sich ändernden Bedürfnisse abstimmen. Damit sind auf jedem Stockwerk weitgehende Anpassungsmöglichkeiten gewährleistet.

Bemerkenswerte Gesamtenergieeffizienz

Das gesamte Baukonzept entspricht den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft und beruht auf einem sogenannten bioklimatischen Ansatz. Dank der sehr gut gedämmten Gebäudehülle in Kombination mit grossen Fensterflächen kann der Heizenergieverbrauch im Winter gesenkt werden. Im Sommer lässt sich die natürliche Belüftung mit einem Deflektorensystem verbessern. Ausserdem bietet eine begrünte Umrandung entlang der Verglasungen einen Hauch von passiver Kühlung und schafft gleichzeitig die Grundlage für eine höhere Biodiversität im Stadtzentrum.

Ansicht des Innenraums im Bau.
Bild: Olivier Wavre
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Montage der Tragstruktur.
Bild: Olivier Wavre

Auf dem gesamten Dach werden grossflächig Sonnenkollektoren angebracht. Bezogen auf die Primärenergie liegt die von den Kollektoren erzeugte Photovoltaikenergie über der Summe aus der grauen Energie für die Konstruktion der Büroräume, der Heizenergie und dem Stromverbrauch sowie dem Energieaufwand im Zusammenhang mit der Mobilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in diesem Gebäude zur Arbeit kommen. Mit anderen Worten wird deutlich mehr Energie erzeugt als verbraucht. Die Aufstockung des Gebäudes um eine Etage wirkt sich somit insgesamt sehr positiv aus.

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Dach mit Photovoltaik-Anlage.
Bild: Olivier Wavre

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