DIESES HAUS ENTFALTET SICH SELBST

Es klingt nach Science-Fiction, was die Firma Ten Fold entwickelt hat – Gebäude, die sich in weniger als 10 Minuten selbst entfalten. Das Grundkonzept besticht aber.

Bis dato hatte der Traum vom Eigenheim zwei Haken: Erstens mussten sich Käufer für einen langen Zeitraum und auf einen fixen Wohnort festlegen. Und zweitens mussten sie von hohen Hauspreisen ausgehen. Ein britisches Startup namens Ten Fold Engineering hat nun Lösungen für diese beiden Herausforderungen gefunden. Und zwar entfalten sich dessen kostengünstige Häuser in weniger als 10 Minuten aus einem Container-ähnlichen Würfel.

Modulares Haus – verpackt in einer Kiste

Das 64 Quadratmeter grosse modulare Gebäude erreicht seine Käufer in der sogenannten «uBox», eine kompakte und stapelbare Kiste, die problemlos mit einem Lastwagen transportiert werden kann – und zwar in ganz Europa. Ist die Box auf dem Grundstück platziert, setzt sich auf Knopfdruck ein komplizierter Mechanismus aus Metallgelenken und Federn in Bewegung und entfaltet das Haus. Dafür werden übrigens weder Arbeiter noch Energie benötigt – das Gebäude wird durch die Schwerkraft und das Eigengewicht des Bodens in seine Form ausgefaltet.

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BILDER: CREA.TIPS / TEN FOLD ENGINEERING
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BILDER: CREA.TIPS / TEN FOLD ENGINEERING

Flexibel und preiswert

Spannend ist auf jeden Fall der Preis der «uBox» – mit 100'000 Pfund (rund 123'000 Franken) liegt er deutlich unter dem eines Hauses von vergleichbarer Grösse. Für den Architekten David Martyn, den Gründer von Ten Fold, ist die Flexibilität besonders attraktiv: «Weil sich in der heutigen Welt alles sehr schnell verändert, ist Beweglichkeit doch das Wichtigste», erklärt Martyn. «Wir versuchten deshalb etwas zu entwickeln, das nicht nur leicht transportiert werden, sondern auch ohne Kran oder Arbeiter entladen werden kann. Und das zudem innert einer möglichst kurzen Zeit aufgebaut ist.»

Weil sich in der heutigen Welt alles sehr schnell verändert, ist Beweglichkeit doch das Wichtigste.

David Martin, Founder von Ten Fold Engineering

 

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

«Ursprünglich haben wir unsere Häuser fürs Wohnen ausgelegt. Doch sie könnten auch als Büroräume, Klassenzimmer, Läden, Restaurants oder Ausstellungsräume genutzt werden», so Martyn weiter. «Eine Schule könnte ihr Klassenzimmer während des Frühjahrsemesters an einem bestimmten Ort haben und es im Sommer dann an einem anderen Ort ganz anders nutzen.» Und gemäss Ten-Fold-Managerin Andrea de Boer gibt es auch Interessenten aus den Bereichen Verkauf, Events, Bergbau und Energie: «Klar, unsere Entwicklung lässt sich auch als mobiler Office-Space, als Beobachtungsstation, Strandhütte oder sogar Hotel nutzen.»

 

Erklärvideo zeigt Funktionsweise auf

Auch wenn mobile Architektur im Kommen ist, wurde ein ähnlich radikales Konzept wie die spezielle Falttechnik von Ten Fold bislang noch nicht umgesetzt. Die Firma rechnet mit dem weltweiten Auslieferungsbeginn per Ende 2018. Ein Prototyp in Originalgrösse ist auf jeden Fall bereits im Einsatz, ein Demonstrationsmodell wird folgen. Und Angst vor einem plötzlichen Zusammenklappen des Hauses bräuchten Kunden nicht zu haben, schreibt Ten Fold auf der Webseite auf die Frage «Wird es mich zerquetschen?». Der Grund dafür? Weil die Wände von der Schwerkraft nach aussen gezogen werden, ist ein Einklappen durch die gleiche Kraft unmöglich. Geschlossen wird das Haus übrigens durch eine gesicherte Winde und auch wenn dies innert wenigen Minuten passiert, so bewegen sich die einzelnen Elemente doch sehr langsam, beschwichtigt das Unternehmen.

 

 

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BILDER: CREA.TIPS / TEN FOLD ENGINEERING
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BILDER: CREA.TIPS / TEN FOLD ENGINEERING

Solarpanels und Komposttoilette

Um die mobilen Häuser mit Energie zu versorgen, bestehen gleich mehrere verschiedene Möglichkeiten: So können Solarpanels oder ein Generator angeschlossen werden, aber da ist auch Platz für Akkus. Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung erfolgt entweder über den Anschluss an die bestehende Infrastruktur oder mit Hilfe von Tanks. Und laut Hersteller ist sogar der Einbau einer Komposttoilette möglich.

Doch so überzeugt die Entwickler von ihrem einzigartigen Produkt auch sind, eine Konkurrenz zur traditionellen Architektur und zum Bauwesen sehen sie in ihren modularen Klapphäusern nicht: «Nicht jeder muss sich ein solches Haus kaufen, weil nicht jeder so etwas braucht», meint Martyn. «Für uns ist es aber ein faszinierendes Werkzeug, das einige Dinge fraglos besser machen wird.»

 

 

 

 

So überzeugt die Entwickler von ihrem einzigartigen Produkt auch sind, eine Konkurrenz zur traditionellen Architektur und zum Bauwesen sehen sie in ihren modularen Klapphäusern nicht.

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