EIN MODUL KOMMT SELTEN ALLEIN

Module müssen miteinander kommunizieren, um Wirkung zu erzielen. Dazu braucht es geregelte Anschlüsse, aber auch die Option, diese flexibel zu nutzen. Modulare Strukturen vermitteln so zwischen unseren Bedürfnissen nach Sicherheit und Improvisation, nach Ordnung und Chaos. Welche Rolle spielen sie heute in Architektur und Design? Burkhard Meltzer und Tido von Oppeln hatten eineinhalb Jahre Zeit, Antworten zu suchen – im Rahmen des 50-Jahre-Jubiläums, das USM Haller 2015 feierte. Im Auftrag des Herstellers mit Affinität zu Systemen lancierten die beiden Kuratoren einen Workshop in Boisbuchet, dessen Resultate sie in Mailand ausstellten.

Nun legen sie in Buchform nach, was sie dabei erfahren und gesammelt haben. Historisch schlägt der sorgfältig gestaltete Sammelband den Bogen von den Sechzigerjahren bis heute. Vom funktionalen Raster und der sich daran entzündenden Kritik, die zur Entwicklung kleinerer, modularer Einheiten führte, von Fritz Haller bis zur Aktualisierung des Prinzips, wie es in den Workshops in Boisbuchet erforscht wurde. Diese stellten die kommunikative Rolle des Moduls ins Zentrum, versuchten, ihm ästhetische Vielfalt und Individualität beizubringen, wie der britische Designkritiker Rick Poynor beobachtete. Diese Aufgabe hatte auch das Buch zu lösen, das die Agentur Atlas gestaltete. Denn was ist ein Buch anderes als ein Modul, das in sich modular aufgebaut mit anderen Büchern kommuniziert ?

Im Rückgriff auf klassische buchgestalterische Mittel bringt Atlas dem Buch Individualität bei. Drei Inserts in japanischer Bindung unterteilen den Band. Auf Farbkarton wird eine Bildrecherche zu Systemen, Modulen und zur Geschichte von USM-Haller gezeigt. Metallisch gedruckte Titelschriften, Bildüberlagerungen auf den ganzseitigen Porträts der Workshop-Leiter und ein durchgehender Flattersatz loten Variation im System aus. Eine Absicht, auf die bereits der als Klappenbroschur umgesetzte Umschlag hinweist. Die zugrunde liegende Strukturierung des Inhalts wird mit zwei Satzspiegeln vermittelt: Sie unterscheiden zwischen Essays und Interviews, in denen über das Modul nachgedacht wird. In aller Breite. 

Rethinking the Modular: Adaptable Systems in Architecture and Design. Herausgeber: Burkhard Meltzer und Tido von Oppeln; Beiträge: Rem Koolhaas, Jürgen Mayer H., Alva Noë, Thomas Lommé, Rick Poynor, Martino Stierli u. a.; Gestaltung: Atlas, Zürich; Verlag: Thames & Hudson
erhältlich bei  www.hochparterre-buecher.ch Fr. 45.—

Rethinking the Modular
Rethinking the modular

BILDNACHWEIS: GUILLAUME MUSSET

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