Die kulturelle Landschaft der Schweiz wimmelt von punktuellen Kulturveranstaltungen. Vor allem im Sommer zur Zeit der Festivals finden unzählige Anlässe jeglicher Art statt. Zum Massenandrang des Publikums kommt eine enorme Menge von temporärer Infrastruktur hinzu, bei der alles rasch und kostengünstig demontierbar sein muss. Die damit verbundenen Umweltkosten sind verheerend. Dass es auch anders geht, zeigt das Modulbauprojekt On STAGE, das mit einer universitären Forschungsarbeit verbunden ist.

Die modulare Eventhalle On STAGE.

Visualisierung: EPFL / LAST

Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt von einem Jazzfestival zur Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Und wenn das Cully Jazz Festival auf den Architekten Loïc Fumeaux trifft, entsteht daraus eine beeindruckende, über 400-seitige Dissertation. Fumeaux ist Assistent am Labor für nachhaltige Architektur und Technologie (LAST) der EPFL, das von Professor Emmanuel Rey geleitet wird. Dort hat er 2016 seine Doktorarbeit eingereicht, in der er sich mit der Integration der Nachhaltigkeitskriterien in den Konzeptionsprozess von temporären Eventbauten befasst hat[1].

Diese Dissertation geht von einer konkreten Problemstellung aus: Das Cully Jazz Festival war auf der Suche nach einem Ersatz für sein grosses Konzertzelt. Die neue Struktur sollte mehr Komfort und eine bessere Akustik bieten. Das war 2010 und das LAST hatte das Projekt On STAGE lanciert, um in diesem Bereich innovative, nachhaltige Lösungen zu entwickeln. In diesem Rahmen führte das Labor im Zusammenhang mit dem Projekt eine Forschungsarbeit durch, in der die verschiedenen baulichen Parameter eines solchen Ansatzes bis ins kleinste Detail untersucht wurden. Von einem einfachen optimierten Konzertzelt entwickelte sich das Projekt so zur Konzeption einer multifunktionalen Eventhalle. Die Halle beruht auf dem Prinzip des Holzmodulbaus, lässt sich nach Belieben erweitern und eignet sich für verschiedenste temporäre Nutzungen: als Halle für Konzerte und Aufführungen, als Raum für Sportveranstaltungen, als Ausstellungssaal usw.

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Das gewählte Architekturkonzept beruht auf der Idee eines Hauptvolumens, das aus vollständig vorgefertigten Holzmodulelementen besteht. Diese werden längs zusammengefügt.

Bild: EPFL/LAST

Die Doktorarbeit

Als Architekt, der durch die Macht der Umstände zum Forscher wurde, liess sich Loïc Fumeaux voller Begeisterung auf ein Projekt ohne jegliche Termin- und Kostenvorgaben ein. Er gönnte sich den Luxus, sich sehr eingehend mit allen Details zu befassen. So entwickelte er sowohl auf konzeptueller als auch auf praktischer Ebene eine ganzheitliche Sichtweise eines Bauprojekts für ein Objekt, das temporär genutzt wird (einige Tage bis etwa 15 Jahre). Im Einklang mit der Philosophie, die für die architektonische Forschung des LAST bezeichnend ist, nahm sich von Anfang an ein multidisziplinäres Team der zu lösenden Aufgabe an. Diesem Team gehörten Forscher aus verschiedenen Fachgebieten der Ingenieurwissenschaften, der Architektur und des Bauwesens sowie Unternehmer aus dem privaten Sektor an. Sie alle arbeiteten nach einem Prozess der integrierten (ganzheitlichen, multidisziplinären, partizipativen und evaluativen) Konzeption.

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Die Baustrategie sieht die Kombination und Wiederholung einer beschränkten Zahl von Bauteilen vor: Den einzelnen Komponenten kommt keine bestimmte Position im Ganzen zu, sondern sie können irgendwo im System und in beliebiger Reihenfolge montiert werden. Für das Handling des Materials können Hebegeräte eingesetzt werden, die sich auf dem Markt leicht beschaffen lassen.

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Die Doppelschicht (wendbare Panels / gespannte Membran) bietet die Möglichkeit, eine «Puffer»-Lage einzuführen. Diese ist nicht nur in klimatischer Hinsicht interessant, sondern nimmt auch die zahlreichen Leitungsnetze auf (Elektrizität, Lüftung), die bei Eventbauten wichtig sein können.

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Bilder: EPFL/LAST

Die Innenpanels weisen eine perforierte (absorbierende) und eine glatte (reflektierende) Seite auf. Sie können beliebig in beide Richtungen montiert werden. Über dem Ganzen wird eine Textilmembran angebracht, die mittels einer Aufblasvorrichtung gespannt wird.

Das Grundelement: ein Akustikpanel aus Holz

Mit seinen Abmessungen von 240 x 60 cm und Fertigungskosten von rund 80 Franken pro m2 bildet das Akustikpanel zweifelsohne das eindrücklichste Bauteil, das aus dem Forschungsprozess hervorgegangen ist. Es wiegt 15 kg und ermöglicht ein repetitives Handling durch eine einzige Person. Da das Panel eine absorbierende Seite und eine glatte Seite aufweist, lassen sich die akustischen Anforderungen verschiedener Hallentypen erfüllen. Zugleich kann es überall angebracht werden, ob als Wand oder als Bedachung. Dieses Ergebnis beruht auf einer ganzheitlichen Sichtweise, d. h. auf Ansätzen, die zwischen dem Entwickler, dem Nutzer, dem Akustikingenieur und dem Hersteller der Panels abgestimmt wurden. Dank ganz einfachen, stets identischen Befestigungs- und Verbindungssystemen ist dieses Akustikpanel ein Modulbauelement schlechthin.

Die Eventhalle On STAGE ist aus einer Forschungsarbeit hervorgegangen. Deshalb sind ihre Fertigungskosten gegenüber den einfachsten Systemen, die auf dem Markt erhältlich sind, noch nicht ganz konkurrenzfähig. Allerdings bietet die Halle in Bezug auf den Komfort und die Umweltleistungen einen klaren Mehrwert. In einem Umfeld, in dem Aspekte der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen, gehört ihr die Zukunft!

[1] Link zur Dissertation

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Das Architekturkonzept, das für das Projekt On STAGE gewählt wurde, beruht auf der Idee eines Hauptvolumens, das aus Holzmodulelementen besteht und auf einem Regulierungsraster von 2,4 Metern basiert. Diese vollständig vorgefertigten Elemente lassen sich vor Ort einfach zusammenfügen.

Loïc Fumeaux.

Loïc Fumeaux, dipl. Architekt ETH/SIA, hat 2009 zusammen mit Amélie Poncety, Architektin DPLG, in Lausanne das Architekturbüro xy-ar.ch – Fumeaux & Poncety architectes gegründet. Neben seiner 2016 veröffentlichten Doktorarbeit hat er sich an zahlreichen Aktivitäten des LAST beteiligt, vor allem als Leiter des Forschungsprojekts On STAGE, als Assistent im Labor von Prof. Emmanuel Rey und als Lehrbeauftragter im Studienbereich «Temporäre und nachhaltige Architektur».

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