FLÜCHTLINGE UND STUDIERENDE UNTER EINEM DACH

Seit Januar 2019 wohnen und arbeiten neben dem Bahnhof Zürich Altstetten Flüchtlinge, Studierende, Kulturschaffende und Gewerbetreibende in einer gemeinsamen Siedlung. Herzstück des Projekts «Fogo» bildet ein neu erstellter Holzmodulbau mit 33 einfachen Wohnungen.
BILDER: SIMONE BOSSI, PLÄNE: HDPF ARCHITEKTEN

Für uns war das Projekt eine gute Erfahrung in einem herausfordernden Umfeld.

Nikolaus Hamburger, Mitinhaber des Architekturbüros HDPF.

 

Die Stadt Zürich geht neue Wege, um Flüchtlinge unterzubringen. Das Projekt dazu heisst «Fogo» und ist seit letztem Sommer auf der Nordseite des Bahnhofs Altstetten, direkt neben dem Vulkanplatz, entstanden. Seit Januar 2019 wohnen auf dem Areal Flüchtlinge sowie Studierende zusammen; und Gewerbetreibende sowie Künstler haben dort ihre Ateliers. Das Projekt ist das erste seiner Art in der Schweiz und entstand nach niederländischen Vorbildern. Fogo umfasst zwei Teilbereiche: Auf dem östlichen Arealteil befinden sich Modulbauten mit Platz für 150 Flüchtlinge. Die Module standen seit 2010 als Asylunterkunft im Norden der Stadt und wurden nach Altstetten transportiert. U-förmig darum herum sind neue Module mit zwanzig Ateliers für Künstler und Gewerbetreibende angeordnet. Sie bilden einen Lärmschutzwall gegen die Strassen, die um das Areal verlaufen. Herzstück von Fogo ist die komplett neue Holzmodulsiedlung für Studierende und Flüchtlinge im Westteil des Grundstücks. Sie wurde von der stadteigenen Stiftung für ökologische und preiswerte Wohnungen – Einfach wohnen (SEW) erstellt und bietet 22 Wohnungen für Studierende sowie 11 für Flüchtlinge.

 

Gebaut für die 2000-Watt-Gesellschaft

Die Holzmodulsiedlung ist das Resultat einer TU-Ausschreibung, die das Zürcher Architekturbüro HDPF zusammen mit Totalunternehmer: KHS AG Johannes Kaufmann aus Dornbirn und Urs Schläpfer aus Appenzell sowie
Kaufmann Zimmerei und Tischlerei aus Reuthe im Vorarlberg für sich entscheiden konnte. Die Statik hat das Ingenieurbüro merz kley partner AG aus Altenrhein verantwortet (siehe Interview). Der Gebäudekomplex umfasst 93 Module, die in zwei dreigeschossigen Zeilen angeordnet wurden und zusammen mit einem Lärmschutzriegel im Norden einen geschützten Hof aufspannen. Die Erschliessung erfolgt über zwei offene Treppenhäuser sowie Laubengänge. Realisiert wurden zwei Wohnungstypen mit 4,5 und 6,5 Zimmern, die aus zwei respektive drei Modulen bestehen. Dazu kommen im Erdgeschoss eine Waschküche und ein Gemeinschaftsraum. Alle Module sind 3,5 Meter breit, 2,8 Meter hoch und 12,2 Meter tief und wurden im Werk komplett ausgestattet. Jeweils bis zu 18 Stück gelangten pro Tag per Lastwagen nach Zürich und wurden auf einer Bodenplatte aus Ortbeton montiert. Die Bauzeit betrug knapp sechs Monate. Die Module sind bewusst schlicht gestaltet: «Um das enge Budget einhalten zu können, haben wir wo immer möglich auf teure Oberflächen verzichtet», sagt Nikolaus Hamburger, Mitinhaber des Architekturbüros HDPF. So bilden die grossflächigen Mehrschichtplatten der Holzmodule zugleich die fertigen Wand- und Deckenoberflächen. Sie wurden einzig mit einem lasierenden Anstrich behandelt. Auch der restliche Ausbau ist einfach: Die Böden sind mit Linoleum ausgelegt, und die Küchenkombinationen bestehen komplett aus Chromstahl. Nicht gespart wurde beim Umweltschutz: Die neue Siedlung entstand nach den Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft. Dazu gehören unter anderem eine sehr gute Wärmedämmung sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Baukosten für das Holzmodulgebäude betrugen rund zwölf Millionen Franken. Gemäss den Plänen der Stiftung soll es mindestens zwanzig Jahr stehen bleiben.

Der Bau entstand nach den Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft.
Die Holzmodule wurden im Werk komplett vorgefertigt. Die Bauzeit betrug rund sechs Monate.
BILDER: SIMONE BOSSI, PLÄNE: HDPF ARCHITEKTEN

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