BEGRIFFE DER SYSTEMATISCHEN BAUWEISE

ELEMENT

Elemente sind zweidimensionale Bauteile.

ELEMENTBAU

Das Element definiert generell ein Bauteil. Die Elementbauweise zeichnet sich vor allem durch den hohen Vorfertigungsgrad aus. Die einzelnen Elemente werden witterungsgeschützt im Werk vorfabriziert, was eine hohe Qualitätskontrolle und anschliessend eine sehr kurze Montagezeit erlaubt. Der Elementbau impliziert nicht zwingend eine modulare Bauweise.

HYBRIDBAU

Der Hybridbau definiert eine Bauweise, die verschiedene Baustoffe wie Holz, Stahl und Beton kombiniert. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften der Materialien wie zum Beispiel Tragfähigkeit, Schall oder Brandschutz können mit der Kombination sehr leistungsfähige Bauteile geschaffen werden. Meist werden hybride Bauteile als Elemente und als ganze Module im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle montiert.

LEICHTBAU

Stahlleichtbau und Holzbau sind Leichtbauweisen und stehen im Gegensatz zum Massivbau (zB. Beton und Backstein). Der Leichtbau beschreibt eine Konstruktionsweise, bei der es um eine maximale Gewichtseinsparung geht. Sowohl tragende wie nichttragende Elemente werden so dimensioniert, dass verbautes Material gespart und damit Ressourcen geschont werden.

Die Leichtbauweise ist bekannt aus dem Flugzeug- und Fahrzeugbau, dort vor allem mit dem Ziel Kraftstoff einzusparen. Aber auch im Hochbau gewinnt die Leichtbauweise an Bedeutung. Hier geht es allem voran darum, das Gesamtgewicht eines Baus zu reduzieren, indem beispielsweise bei Aufstockungen Lasten verkleinert oder vorfabrizierte Bauteile effizienter transportiert und montiert werden können.

Meist wird im Hochbau der Stahlleichtbau angewendet (siehe Living Shell). Aber auch neue Hightech-Materialien halten Einzug (zB. Carbon).

MODUL

Der Begriff Modul (lateinisch modulus «Mass») bezeichnet eine Grundeinheit, die bei einem Entwurf oder für die Fertigung festgelegt werden. In der Architektur wird allgemein ein gemeinsames Grundmass, das den Abmessungen eines Projektes zugrunde liegt und alle Abmessungen sich als Vielfaches dieses Grundmasses ausdrücken lassen, Modul genannt. Der Begriff Modul wird meist für raumhaltige Bauteile verwendet, welche aus Elementen zusammengefügt werden und repetitiv angewendet werden können.

MODULBAU

Der Begriff Modulbau wird für Bausysteme verwendet, die auf raumhaltigen Bauteilen (Modulen) basieren. Diese Module werden aus Elementen zusammengefügt und können repetitiv angewendet werden.

SYSTEMATISCHES BAUEN

Systematische Bauweise bedingt eine systematische Denkweise bei der Planung. Das systematische Bauen beschreibt ein Vorgehen, welches vordefinierten Regeln bezüglich der Art der Schnittstellen und Fügung der Bauteile (Module oder Elemente) konsequent folgt und damit ein System bildet. Damit wird die Modularität definiert, das heisst die Andockfähigkeit und die modulare Anwendung. Sie beschreibt wie (einfach) sich das Modul im System einreiht und wie es funktioniert (plug and play). Jeder systematische Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass man sich nicht auf einen einzelnen Problemträger konzentriert, sondern ein ganzes System im Auge behält.

VITRUV - Modularität schon bei den Römern

Die Lehre der Statik und Konstruktion führt uns weit zurück zu einem bahnbrechenden Werk über die Baukunst. Marcus Vitruvius Pollio, ein römischer Architekt und Ingenieur verfasste rund 33 vor Christus seine «Zehn Bücher über Architektur», die über die Prinzipien der Architektur, unterschiedliche Baugattungen, als auch in den letzten drei Bücher das Ingenieurwesen behandeln.

Für die Modularität ist insbesondere das erste Buch von Bedeutung. Die Hauptanforderungen an die Architektur unterteilt Vitruv in Firmitas (Festigkeit), Utilitas (Nützlichkeit) und Venustas (Schönheit), Eigenschaften, die in der heutigen Zeit noch immer relevant sind. Sechs weitere Grundbegriffe beziehen sich auf die Proportionierung des Gebäudes, wie auch auf Konzeption und Disposition. Insbesondere mit der Proportionierung kommen wir zurück auf die Thematik der Modularität. Mit den Begrifflichkeiten wie Ordinatio, Eurythmia und Symmetria. Mit Ordinatio bezieht er sich auf die Ordnung, also der passenden proportionierten Einteilung der Glieder eines Bauwerkes. Mit Eurythmia macht er auf ein massgerechtes Erscheinungsbild in der Zusammensetzung der Bauteile aufmerksam und Symmetria steht für ein erschaffenes Gleichgewicht der verwendeten Module. Diese Schwerpunkte ziehen sich durch unterschiedlichste Architekturtheorien bis in die heutige Zeit.

Insbesondere im ersten Kapitel des dritten Buches findet man eine der ersten Theorien zum idealisierten Massverhältnis des menschlichen Körpers, der in seinen Abmessungen auf geometrischen Grundformen wie Quadrat und Kreis fusst. Anhand eines Zahlensystems wird die Proportionierung und Unterteilung der einzelnen Elemente genauer erklärt.

Die Methode des Moduls, die von Vitruv eingeführt wurde und von Leonardo da Vinci aufgegriffen wurde, nahm Le Corbusier im 20. Jahrhundert mit seinem Masssystem Modulor, das auf dem goldenen Schnitt basiert, wieder auf.

Aus «Modulare Systeme», Tamara Hauser, Praktikumsdokumentation, Hochschule der Künste Bern, 2015

Vitruv - 10 Bücher

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