HOLZ! MEHRGESCHOSSIG! JETZT!

Mit Holz wird immer mehr und immer höher gebaut, und immer mehr auch in der Stadt. Das Material eignet sich für Umbauten und Nachverdichtungen, etwa Aufstockungen, sehr gut, wirbt das Buch «Atlas Mehrgeschossiger Holzbau».Flüchtlinge und Asylbewerber werden nicht erst seit der jüngsten Zuwanderungswelle unzureichend untergebracht. Container, Industriehallen oder Ferienheime bieten zwar ein Dach über dem Kopf, schliessen die Menschen aber oft vom städtischen Leben und damit von der Möglichkeit der Integration aus.

Seine Renaissance in städtischen Gebieten und die neuen technischen Möglichkeiten des Holzbaus haben die drei Autoren Hermann Kaufmann, Stefan Krötsch und Stefan Winter veranlasst, ihren ersten Holzbau-Atlas aus dem Jahr 2003 neu zu schreiben. Ihr neuer 272-seitige «Atlas Mehrgeschossiger Holzbau» entstand unter der Leitung Professur für Entwerfen und Holzbau der TU München. Der «moderne Holzbau» löse sich von den klassischen Kategorisierungen wie Holzrahmenbau und -skelettbau und lasse innerhalb eines Projektes bedarfsorientiert die Mischung verschiedener Bauweisen zu, beschreiben die Autoren den Grund für das neue Buch. Im Theorieteil zeigen die Kapitel Tragwerk, Konstruktion und Prozess die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten von horizontalen und vertikalen Elementen. 22 Dokumentationen von realisierten mehrgeschossigen Holzbauten erklären im Praxisteil in Text, Fotos und Detailplänen mit übersichtlichen Legenden, die Lösungen, die Architekten wie Burkhalter Sumi, Rolf Mühletaler, Hermann Kaufmann und viele andere für einzelne Bauten gefunden haben. Besondere Beachtung findet der Anschluss der Geschossdecke an die tragende Aussenwand. Tragwerk, Schichtenverlauf und Vorfertigung/Montage sind bei fünf Beispielen jeweils besonders dokumentiert und kommentiert. Denn je höher das Gebäude ist, umso prägender wird dieses Regeldetail für die Gesamtkonstruktion, so die Autoren.

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Im Kapitel Vorfertigung wird auf die Vorteile des Holzbaus für Element- und Modulbau hingewiesen. Geringes Transportgewicht, einfach Bearbeitbarkeit und Fügetechnik machen Holzbau geeignet für die Vorfertigung von grossen Bauelementen oder Raumzellen. Kurze Montagezeit auf der Baustelle und eine allgemeine kürzere Verkürzung der Bauzeit nennt das Buch als die beiden wichtigsten Vorteile der Vorfertigung. Die Autoren verbergen allerdings auch nicht, dass der vorfabrizierte Holzbau eine aufwändige Planungsphase und mehr Zeit in Anspruch nimmt. Weil aber ein solches Projekt länger als eines in konventioneller Bauweise virtuell bleibe, könnten die Investitionskosten für die Ausführung relativ spät getätigt und über einen kürzeren Zeitraum finanziert werden, argumentiert Wolfgang Huss, Autor des Kapitels. Der Atlas vermittelt Architekten, Ingenieuren und Holzfachleuten sorgfältig, gut lesbar und systematisch aufbereitet nötige Fachkenntnisse zur Systematik und Konstruktionsmethodik mit Holz – vom Entwurf über die Vorfertigung bis hin zur Fügung vor Ort. Man merkt schnell, die Autoren sind vom Potenzial des mehrgeschossigen Holzbaus mehr als überzeugt. Die Verfügbarkeit der Ressource spricht ebenfalls dafür: Derzeit wächst in Europa mehr Holz nach als genutzt wird. Vor allem dem Laubholz, das bessere Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften hat als Nadelholz, geben die Holzbauer eine grosse Zukunft. In der Schweiz, Deutschland und Österreich wäre es sogar möglich, mit rund einem Drittel des jährlichen Holznachwuchses alle Neubauten in Holz zu realisieren, so die Autoren.

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