HOLZ UND BETON SCHON IM ELEMENT VERBINDEN

Holz? Oder besser Beton? Technisch sind die beiden Baumaterialien höchst unterschiedlich: Holz ist leicht, flexibel und zeichnet sich durch gute Zugfestigkeit aus. Beton hingegen ist hart, dicht – und entsprechend schwer –, seine Zugfestigkeit ist bescheiden.

BILDER: BAUART

Wer diese Gegensätze geschickt kombiniert, optimiert das ganze Gebäude. Der Nutzen ist grösser, wenn man Beton und Holz nicht nur addiert – hier die Betondecke, dort die Holzbalken –, sondern verbindet. Ein Beispiel dafür sind hybride Lösungen, wie sie Bauart beim Projekt Microcity zusammen mit der Holzbaufirma Erne entwickelt haben. Die Untergeschosse und drei Betonkerne mit der Technik wurden vor Ort in Stahlbeton erstellt. Dann setzten sieben Fachleute die vier Obergeschosse aus vorgefertigten Verbundelementen wie Legosteine zusammen.

HYBRIDE LÖSUNGEN ERFORDERN EIN HOHES MASS AN SYSTEMATISCHEM DENKEN UND AN PRÄZISER ORGANISATION.

Bei den Böden waren das mehr als 200, rund 18 m grosse Elemente aus Holz und Beton. Auf eine Balkenlage aus Konstruktionsholz kam eine dünne Holzplatte, darauf brachte der Holzbauer im Werk eine nur 10 cm dicke Betonschicht an. Der Clou dieser hybriden Elemente ist das Zwischenstück: Ein Lochblech, in Längsrichtung 4 cm in die Balken eingeleimt und ebenso tief in den Beton einbetoniert, verbindet die beiden Materialien steif. Die Vorteile einer hybriden Lösung: Der Rohbau ist in der halben Zeit fertig. Gegenüber reinen Holzdecken sind Tragfähigkeit und Steifigkeit mindestens doppelt so gross, Brand- und Schallschutz sind klar besser. Das Gebäude ist rasch wetterfest, Innenausbau und technische Installationen können umgehend beginnen. Zudem bindet es weniger graue Energie und lässt sich dank der Modulbauweise später recht einfach an veränderte Bedürfnisse anpassen. Hybride Lösungen erfordern allerdings ein hohes Mass an systematischem Denken und an präziser Organisation. Das Gebäudeprogramm muss auf Elemente und Module heruntergebrochen werden, deren Fertigung in der Werkhalle schon läuft, wenn die Bagger in der Baugrube mit dem Aushub beginnen.

DEM LEHR- UND FORSCHUNGSGEBÄUDE IN NEUENBURG IST DER SYSTEMBAU NICHT ANZUSEHEN.

BILD: YVES ANDRÉ

DAS SKELETT BASIERT AUF EINEM STÜTZENRASTER VON 7,2 X 7,2 METERN.

BILD: YVES ANDRÉ

Holz und Beton Modulart

BILD: YVES ANDRÉ

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