MODULARE BAUTEN FÜR MENSCHEN IN PREKÄREN WOHNSITUATIONEN

Wie vielerorts ist der Wohnungsmarkt auch in Lausanne angespannt – was insbesondere Menschen in prekären Wohnsituationen zu schaffen macht. Deshalb liess der städtische Sozialdienst vom Architekturbüro Kunik de Morsier das innovative Wohnbauprojekt «Le Patio» umsetzen.
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Wohnbauprojekt «Le Patio» von Kunik de Morsier.
BILD: Nicolas Delaroche

Günstiger Wohnraum ist auch im Arc Lémanique Mangelware. So gingen 2016 beim «Service social de la ville de Lausanne» nicht weniger als 1300 Anfragen bezüglich Unterstützung bei der Wohnungssuche ein. In jüngster Zeit mussten für Men­schen in prekären Wohnsituationen auch immer öfter kurzfristig Hotelzimmer bereitgestellt werden. Um nun möglichst allen Betroffenen in einer angemessenen Weise helfen zu können, hat der Sozialdienst der Stadt auf eine Initiative der jungen lokalen Architekten Valentin Kunik und Guillaume de Morsier reagiert. Die beiden haben in Eigen­initiative nicht nur eine Kartographie für potenziell nutzbare Parzellen erstellt, sondern auch gleich einen Prototyp für eine modulare und leicht demontierbare Wohnanlage erarbeitet. Und anschliessend beharrlich Politiker und Projektentwickler der Region bearbeitet. Ihr Projekt überzeugte schliesslich die Baugenossenschaft «Cité derrière», die sich im Kanton Waadt für einen preiswerten Wohnungsbau einsetzt.

Die beiden haben in Eigen­initiative nicht nur eine Kartographie für potentiell nutzbare Parzellen erstellt, sondern auch gleich einen Prototyp für eine modulare und leicht demontierbare Wohnanlage erarbeitet.

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Ein Laubengang erschliesst die zweiseitig belichteten Unterkünfte.
BILD: Nicolas Delaroche

Lausanne setzt auf provisorische Wohnungen

Um schnell und kosteneffizient provisorische Wohnungen zu realisieren, hat die Stadt Lausanne die gemeinnützige Genossenschaft «Coopérative Cité Derrière» beauftragt, zusammen mit dem Architekturbüro Kunik de Morsier sowie der DM Bau AG ein entsprechendes Gebäude zu erstellen. Dabei sollten verschiedene Wohnangebote entwickelt werden – einerseits günstige Sozialwohnungen, in denen Mieter auf unbestimmte Dauer wohnen können. Und andererseits provisorische möblierte Unterkünfte, in welchen Wohnungssuchende für einen befristeten Zeitraum wohnen können. Die Kooperative übernahm dabei die Bauherrschaft, und die Stadt stellte den Planern ein knapp 2000 Quadratmeter grosses Grundstück im südwestlichen Stadtteil Prés-de-Vidy zur Ver­fügung, Nutzungsdauer dreissig Jahre.

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Der Wohnungsbau steht auf einem knapp 2000 m2 grosses Grundstück im südwestlichen Lausanne.
BILD: Nicolas Delaroche

Das Projekt «Le Patio»

Das Projekt «Le Patio» besteht aus vier Gebäu­detrakten mit zwei Geschossen. Sie gruppieren sich um einen rechteckigen Hof und bestehen aus Modulen von rund zwanzig Quadratmetern.

BILDER / PLÄNE: Nicolas Delaroche / Kunik de Morsier

55 möblierte Einzimmerwohnungen haben so Platz, sechs Familienwohnungen sind in jeweils zwei kombinierten Einheiten untergebracht. Ein Laubengang erschliesst die zweiseitig belichteten Unterkünfte und dient dem sozialen Austausch – dies ist sehr wertvoll, denn die Aufenthaltsdauer der Bewohnerinnen und Bewohner ist jeweils auf maximal zwei Jahre beschränkt und die Mieterschaft wechselt deshalb oft.

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Der Laubengang als sozialer Ausstausch.
BILDER: Nicolas Delaroche
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So einfach wie die Grundrisse sind auch Konstruktion und Materialien: Die Holzelementwände sind vorgefertigt, die Decken bestehen aus Beton. Eine weisse Blech­fassade wirkt dem Eindruck einer modularen Not­unterkunft entgegen, der farbige Innenausbau sorgt für Wohnlichkeit. Die Gestaltung nimmt übrigens Farben von Ausgrabungsstücken auf, die vor Ort gefunden wurden und schliesst so an die römische Vergangenheit dieses Quartiers an. Die Gebäudekosten (BKP 2) beliefen sich auf total 5,9 Mio. Franken.

Temporäres kreieren, das dauert

Valentin Kunik und Guillaume de Morsier sind zwei junge Architekten, die sich sehr stark mit Fragen der Urbanität auseinandersetzen und versuchen, Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu finden. Temporäres kreieren, das dauert, lautet dabei das Credo der beiden. Und tatsächlich könn­te ihr innovatives Projekt «Patio» als eine Art Impulsgeber funktionieren und eine nachhaltige Wirkung entfalten. Voraussetzung dafür wäre es aber, dass das Engagement von Kunik und de Morsier weitere Architekten und Kommunen dazu antreibt, nicht nur temporäre Wohnformen zu entwickeln: Um die Wohnungsknappheit im untersten Preissegment langfristig zu beheben, sind auch dauerhafte Lösungen gefragt.

Uns interessieren das Vorläufige, das Pionierhafte und auch das Modulare - und all dies ist in diesem Projekt zusammengekommen.

Guillaume de Morsier.

 

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BILDER: Nicolas Delaroche

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