MODULARE SCHUTZHÜTTEN FÜR DEN HIMALAYA

  • Forschung
  • Nachhaltiger Komfort im Hochgebirge
Der Mount Everest und sein raues Klima fordern immer wieder Todesopfer. Künftig sollen modulare Schutzhütten entlang des Trekkingtrails müde Wanderer und von schlechtem Wetter überraschte Touristen beherbergen.
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Visualisierung
DOKUMENT: Prioli, Avanzi, Mancini.

Fröhlich bunt wie eine tibetische Gebetsfahne ragt ein länglicher, fünfeckiger Kasten in die weisse Schneelandschaft. Der Modulbau soll Berggänger und Wanderinnen in der Himalaya-Region Schutz und Unterkunft bieten. Je nach Ort, gewünschter Funktion und voraussichtlicher Anzahl Touristen können mehr oder weniger Module mit einem Clip-System zusammengefügt werden: Die türkisgrünen Service-Module beinhalten das WC oder einen Lagerraum. Das etwas breitere, weisse Eingangsmodul funktioniert als Filterschicht zwischen innen und aussen. Auch die technische Steuerung und ein Batteriespeicher sind hier untergebracht. Geschlafen wird im roten Modul, gewohnt im blauen. Die schlichte Möblierung – Tische, Betten, Bänke – lässt sich ein- und ausklappen, wie ein Schweizer Sackmesser. Den Abschluss bildet das gelbe Modul mit einem raumhohen Fenster, das die Hütte in ein Observatorium verwandelt. Drei- und vierbeinige Haken verankern Stahlrahmen, die am Anfang und Ende jedes Moduls angebracht sind, im Boden.

Mit ihrem Beitrag haben Davide Prioli, Dennj Avanzi und Andrea Mancini 2015 den Architekturwettbewerb gewonnen, den Samarth lanciert hatte. Das nepalesische NGO setzt sich für bessere wirtschaftliche Bedingungen für die meist arme, ländliche Bevölkerung ein. Gefragt war eine Schutzhütte, die maximal 20 Gäste eine Woche lang beherbergen kann und so variabel ist, dass sie an verschiedenen Orten entlang der Trekkingrouten aufgestellt werden kann.

Die international besetzte Jury legte neben der Funktionalität grossen Wert darauf, wie die Hütte die Bergkultur repräsentiert und den Gemeinschaftssinn einer Wandergruppe fördert. Denn gerade in einer extremen Umgebung sei der Zusammenhalt der Menschen entscheidend, so die Jury.

Die Bekanntgabe der Preisgewinner erfolgte nur wenige Tage, nachdem ein Erdbeben der Stärke 7,8 die Region erschüttert und eine Lawine ausgelöst hatte: Sie tötete zehn Berggänger und schnitt unzählige weitere von der Aussenwelt ab. Die Naturgewalten zerstörten auch touristische Infrastrukturen, die für Nepals Wirtschaft zentral sind. Die Hoffnung des Auslobers, das Siegerprojekt könnte als Vorlage und Inspiration für ein breites Wiederaufbauprogramm genutzt werden, hat sich bisher nicht erfüllt.

Visualisierungen
DOKUMENTE: Prioli, Avanzi, Mancini.

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