ÜBER VORFABRIKATION

Kaum ein Gebäudetypus prägt das Bild des industriellen Wohnungsbaus so wie die Plattenbauten in den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Gerne werden sie auch als Beweis für die schlechte Qualität von vorfabrizierten Gebäuden herangezogen. Doch das heutige Bauen mit vorgefertigten Elementen ist viel mehr als die «Platte» osteuropäischer Provenienz. Es ist wesentlich, vielfältiger, bunter, von hoher Qualität und wieder zeitgemäss. Das zeigen die drei von modulart ausgewählten Bücher zum Thema.

Vorgefertigte Bauten, die qualitativ und architektonisch überzeugen, gab es auch früher schon. Das beweist das erste der drei Bücher, das auf die hiesige Geschichte des vorgefertigten Bauens zurückblickt. In der Nachkriegszeit gehörte der Zuger Architekt Fritz Stucky in der Schweiz zu den Pionieren in Sachen Vorfabrikation. Die Publikation von 2006 zeigt, wie Stucky der Spagat zwischen möglichst ökonomischen – sprich vorgefertigten — Bauweisen und guter Architektur gelang. Bekannt wurde er mit seinem Variel-Bausystem, das insbesondere für provisorische Schulbauten in den geburtsstarken Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg sehr gefragt war. Viele dieser Bauten und weitere spannende Werke von Fritz Stucky werden in Bild und Text vorgestellt. Einige Gebäude stehen noch heute und führen vor Augen, wie leistungsfähig und nachhaltig Stuckys vorfabrizierte Bauten waren.

Die beiden anderen Bücher beschäftigen sich mit dem vorgefertigten Bauen im heutigen Umfeld. Sie richten sich insbesondere an Architekten und möchten diesen ein Stück weit die Angst nehmen, dass ihre Leistung infolge der Vorfertigung überflüssig werden könnte. «Systembau – Prinzipien der Konstruktion» zeigt, dass die Zeiten der monotonen Platten-Bauweise vorbei sind und die heutige Vorfabrikation die Herstellung von Bauteilen mit einem hohen Differenzierungsgrad ermöglicht. Entsprechend kreativ dürfen Architekten bei der Gestaltung der Gebäude sein. Die Autoren stellen verschiedene Typologien sowie Materialien vor, erklären die Prozesse und Komponenten des Systembaus und zeigen Strategien für das Entwerfen mit vorfabrizierten Elementen auf. Abgerundet wird das Buch durch Beispiele, die den Bogen zur Praxis schlagen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Buch «Industrieller Wohnungsbau». Nach einem Rückblick auf die Geschichte und Theorie der vorgefertigten Bauweise fasst es die Typologien des industriellen Wohnungsbaus überschaubar zusammen. Kernstück des Werks bilden zehn Parameter für den architektonischen Entwurf. Ergänzt werden die theoretischen Ausführungen durch fünfzehn Beispiele von vorgefertigten Wohnbauten aus aller Welt sowie ein Interview mit dem Moskauer Stadtarchitekten Sergey Kuznetzsov.

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