ZENTRALES ANLIEGEN ENERGIEEFFIZIENZ

Das swisswoodhouse war eine Idee, die Max Renggli, CEO und Verwaltungsratspräsident der Renggli AG, und Marco Ryter, ehemaliger Partner von Bauart Architekten und Planer AG, bei einem spätabendlichen Bier kam. Modulart hat sich mit Max Renggli, einem der Männer, über dieses besondere Haus, den Holzbau und nachhaltiges Bauen unterhalten.
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Max Renggli, CEO und Verwaltungsratspräsident der Renggli AG, Schweiz
BILD: RENGGLI

Interview: Tamas Kiss

Was ist für Sie das Besondere am swisswoodhouse in Nebikon?

Max Renggli: Im Mittelpunkt des Konzepts von swisswoodhouse stehen der Nutzer mit seinen individuellen Bedürfnissen und die Verantwortung der Planenden gegenüber einer nachhaltigen Entwicklung. Wir von Renggli haben zusammen mit Bauart besonderen Wert auf eine attraktive, baulandschonende Architektur, einen energie- und wassersparenden Betrieb sowie die Versorgung mit erneuerbaren Energien gelegt. Mit dem Konzept swisswoodhouse schaffen wir eine Alternative zum Einfamilienhaus, welche die Verdichtung und damit den sparsamen Umgang mit den Ressourcen Boden und Energie zulässt. Ziel ist die Überlagerung des Einfamilienhausgedankengutes mit der Effizienz und Rationalität der verdichteten Bauweise des Mehrfamilienhauses. Konstruktiv unterscheidet sich das Gebäude in Nebikon von herkömmlichen Mehrfamilienhäusern durch seine hohe Flexibilität und sein maximales Mass an Gestaltungsfreiheit innerhalb eines Holzbausystems. Die Besonderheit liegt im Spannungsfeld zwischen Individualität und fixen Rahmenbedingungen. Das innovative Gebäudekonzept und seine konstruktive Ausbildung erlauben durch die neuartige Standardisierung des Grundrasters eine Planungs-, Nutzungs- und Umbauflexibilität für mehrgeschossige Holzbauten.

 

Holz ist ja schwer im Trend – gerade bei Überbauungen wie in Nebikon, wo der Nachhaltigkeit viel Bedeutung beigemessen wurde. Welche Entwicklung sehen Sie da?

MR: Holz ist die nachhaltigste Art, wie man überhaupt bauen kann. Der Rohstoff ist in der Schweiz zur Genüge vorhanden, wächst nach und sollte viel stärker genutzt werden. Doch Holz ist auch per se ein genialer Baustoff, der nicht nur statisch ein sehr gutes Verhalten aufweist, sondern auch eine hohe Akzeptanz bei den Menschen geniesst. Gleichzeitig haben wir in den letzten zehn Jahren eine enorme technische Entwicklung erlebt. Zum Beispiel in Bezug auf den Tritt- oder Luftschall und die Brandsicherheit. Zusammen mit der Optimierung der Vorfabrikation führt dies dazu, dass Holz heute in jeder Beziehung konkurrenzfähig ist.

Mit dem Konzept swisswoodhouse schaffen wir eine Alternative zum Einfamilienhaus, welche die Verdichtung und damit den sparsamen Umgang mit den Ressourcen Boden und Energie zulässt.

Holz hat den grossen Vorteil, dass es eine rasche Bauweise erlaubt. Was bedeutet dies denn bezüglich des Pricings? Ist Holzbau heute noch teurer als Massivbau?

MR: Das war früher eine Zusatzhürde für den Holzbau. Wenn man Gleiches mit Gleichem vergleicht, dann sind wir heute aber nicht mehr teurer. Dazu kommt: Holz erlaubt eine trockene und rasche Bauweise. Eine Überbauung ist dann leicht in sechs bis acht statt in zwölf Monaten fertig. Baut man in dichten Quartieren oder saniert im bewohnten Zustand, ist das äusserst relevant. Preiswerter bauen kann man nur durch gescheite Konzepte. Das betrifft auch den individuellen Wohnraum, wo es künftig mehr um Funktionelles als um Ästhetik gehen muss. Oder die Technik, wo nicht so viel wie möglich, sondern so viel wie nötig gelten soll.

 

Noch einmal zum grossen und wichtigen Thema Nachhaltigkeit: Verarbeitet Renggli eigentlich Schweizer Holz? Und wie gehen Sie mit der ganzen Energieproblematik um (weg von fossilen Brennstoffen und hin zur Herstellung von eigener Energie, sei es über Solartechnik, Erdwärme oder Wärmepumpentechnologie)?

MR: Welches Holz wir verwenden, entscheidet der Bauherr. Möchte er hundert Prozent Schweizer Holz, dann erhält er hundert Prozent Schweizer Holz. Da sich dies aber auf die Erstellungskosten auswirkt, wird meist „heimisches Holz“ aus dem Alpenraum eingesetzt – wir verwenden ausschliesslich FSC-zertifiziertes Holz. In Bezug auf die Gebäudetechnik setzen wir auf eine möglichst effizienzoptimierte Planung. Dies beginnt bereits bei der Architektur, da Fensterflächen, Rücksprünge und Raumaufteilung bereits den Energieverbrauch und damit die Gebäudetechnik beeinflussen. Als eine der ersten Firmen, die Minergie-Häuser in der Schweiz erstellt hat, liegt uns die Energieeffizienz bei allen Projekten sehr am Herzen und ist auch wichtiger Teil unserer Firmenphilosophie.

Wenn man Gleiches mit Gleichem vergleicht, dann sind wir heute aber nicht mehr teurer.

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SWISSWOODHOUSE - PILOTPROJEKT NEBIKON
BILD: RUEDI WALTI

Wie weit waren Sie in Nebikon bei der Entwicklung des strategischen Konzepts involviert? Und ist Ihre Firma mit dabei, wenn es bei Entwicklungen oder auch bei Erneuerungen ums Anstellen langfristiger Überlegungen geht?

MR: Das von Renggli und Bauart entwickelte Konzept des swisswoodhouse ist bereits vor über 10 Jahren entstanden. 2008 haben wir bei den Bundesämtern für Umwelt und Energie (BAFU/BFE) ein KTI-Projekt als Auftraggeber und unter der Gesamtleitung der Renggli AG eingereicht. Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau AG und Reuss Engineering AG waren neben anderen Firmen beteiligte Projektpartner. Aus dem KTI-Projekt entstand dann die Realisierung in Nebikon bei der die Renggli AG als Generalunternehmung und Holzbauer fungierte. Wir arbeiten regelmässig mit Hochschulen zusammen und als Entwicklungspartner in KTI-Projekten. Bei konkreten Bauprojekten sind wir entweder als GU oder TU involviert und somit massgeblich an der Planung beteiligt. Unsere Devise ist, dass schon bei der Planung an den Betrieb und auch den Rückbau gedacht werden muss. Schliesslich macht der Betrieb rund 75% der Gesamtkosten eines Gebäudes aus. Eine umfassende Nachhaltigkeitsbetrachtung des Bauprojektes anzustellen, ist das A und O. Gerade bei Sanierungen sollte man eine langfristig angelegte Strategie verfolgen und die vorhandene Substanz in Abgleich mit den Zielsetzungen analysieren.

 

Renggli ist Holzbauer und eine Generalunternehmung. Wie sieht eigentlich Ihr Verhältnis zu Architekten aus?

MR: Renggli hat sich in der fast 100-jährigen Firmengeschichte einen Namen als Know-how-Träger gemacht. Wir verstehen unser Handwerk und die moderne Anwendungsweise von Holz. Die Architekten, die mit uns arbeiten – entweder als Holzbauer oder als GU – vertrauen unserer Expertise, profitieren von unserem Materialwissen und schätzen unsere innovative Herangehensweise an Detaillösungen. Rund 80% unseres Auftragsvolumens setzen wir mit externen Architekten um.

 

Schränkt Ihre Arbeit, sprich: die Vorfabrikation, die Kreativität der Architekten nicht ein?

MR: Plant man einen Holzbau, müssen die Entwürfe von Beginn an auf die Bauweise abgestimmt werden, denn Holz ist ein organischer Baustoff der, nicht korrekt eingesetzt, sehr rasch Schaden nimmt. Die Holzbauer haben in den letzten Jahren grosses Verständnis für architektonische Qualität entwickelt und viele Architekturbüros arbeiten gern mit Holz, weil dies eine präzise Planung und Detailausführung bedingt und deshalb eine anspruchsvolle Auseinandersetzung erfordert.

Erfolgreiche Projekte werden heute von Anfang an im Team verschiedener Fachspezialisten entwickelt. Ich bin überzeugt, dass Architektur und Vorfabrikation in Zukunft noch viel enger zusammenarbeiten werden.

Erfolgreiche Projekte werden heute von Anfang an im Team verschiedener Fachspezialisten entwickelt.

Insbesondere der mehrgeschossige Holzbau hat hierzulande in letzter Zeit ganz beachtlich zulegen können. Welche Entwicklung sehen Sie noch voraus?

MR: Wenn wir uns fragen, welches die richtigen Bauten für die Zukunft sind, dann bin ich überzeugt, dass die Vorfabrikation grundsätzlich einen grossen Stellenwert aufweisen wird. Dabei ist es egal, ob dies nun mit Holz, Stahl, Beton oder Glas geschieht. Im Holzbau haben wir schon vor zwanzig Jahren mit der Vorfabrikation begonnen. Ich denke, dass Holz deshalb auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird – und dass es weiter aufwärtsgeht.

 

Sie gehören hier in der Schweiz zu den Pionieren des nachhaltigen Bauens. Was sehen Sie heute, wenn Sie in die Zukunft schauen?

MR: Der Flächenverbrauch wird in der Schweiz einer der wichtigsten Faktoren sein, der die Bauwirtschaft beeinflusst. Es wird künftig darum gehen müssen, intelligente Konzepte zu entwickeln, welche für die Investoren Flexibilität gepaart mit Rendite – denn ohne sie geht es nicht –, für die Nutzer möglichst viel Komfort bei bezahlbaren Mieten und insgesamt eine hohe Energieeffizienz aufweisen. Kurz gesagt: sämtliche Aspekte der Nachhaltigkeit gilt es gleichermassen zu berücksichtigen. Das swisswoodhouse ist ein solches Konzept – wir arbeiten derzeit an weiteren Konzepten mit der gleichen Zielsetzung.

 

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SCHULHAUS BIEL - VERVE ARCHITEKTEN
BILD: RENGGLI
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Welches ist Rengglis Anspruch an architektonische Qualität?

MR: Architektur gestaltet Räume. Unser Anspruch an sie ist entsprechend hoch und zwar in ihrer Gesamtheit: in der Nutzung des vorhandenen Raums zum Vorteil der künftigen Bewohner und des Umfeldes, d.h. der Umwelt. Professionelle Architekten, die Holzbauten planen, haben die Kompetenz entwickelt, von A bis Z zu denken. Sprich: Aufs Material bezogen wie auch auf die Vorfabrikation und auf die Auswirkungen im gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

 

Wie gehen Sie bei der Planung vor?

MR: Die Firma Renggli hat sich in den letzten zwanzig Jahren intensiv mit dem Wohnungsbau auseinandergesetzt und dabei ein Vorgehen in verschiedenen Phasen entwickelt. Am Anfang stehen immer eine präzise Analyse und die Frage nach den tatsächlichen Zielsetzungen der Bauherrschaft. Bei Sanierungen betrachten wir die Substanz, beleuchten die räumlichen Gegebenheiten, zusätzliche Ausnutzungspotentiale und prüfen die Energieeffizienz. Daraus erarbeiten wir für die Bauherrschaft ein strategisches Konzept.

 

Wie reagieren Sie auf Entwurfsideen?

MR: Zeigt uns ein Bauherr – egal, ob ein Privater oder ein Investor – seine Entwurfsideen, hilft uns das, zum Kern der Sache und zu den tatsächlichen Vorstellungen vorzudringen. Viele private Bauherrschaften bringen Ideen in unterschiedlichem Reifegrad zum Erstgespräch mit. So hat man bereits eine sehr gute Gesprächsbasis, auf die man aufbauen kann, denn die eigentliche Projektarbeit beginnt dann erst. Wir setzen dabei auf kompetente Projektpartner, um die Qualität zu steigern.

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NEST – VISION WOOD
BILDER : RENGGLI (LINKS),  ROMAN KELLER (RECHTS)
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